ƒ Casa de Catamarca: eine Botschaft im eigenen Land

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Casa de Catamarca: eine Botschaft im eigenen Land

Gestern habe ich die Casa de Catamarca in Buenos Aires besucht. Die Idee hat mich beeindruckt. Das Haus wurde am 18. Dezember 1953 gegründet. Es ist die offizielle Vertretung der Provinz Catamarca in der argentinischen Hauptstadt, also eine Art Botschaft im eigenen Land.


Im Erdgeschoss gibt es einen großen Gemeinschaftsraum. Dort verkaufen kleine Produzenten und Kooperativen ihre Produkte: Wein, Ponchos, kandierte Nüsse, Grappa, Wandteppiche, Süßigkeiten, Öle, Korbwaren, Keramik und Rhodochrosit. Rhodochrosit ist der Nationalstein Argentiniens. Er kommt vor allem aus den Minen von Capillitas in Catamarca. Das Haus ist aber mehr als ein Geschäft. Es ist auch der Sitz für Provinzbeamte, wenn sie in der Hauptstadt sind. Und es hilft Menschen aus Catamarca, die in Buenos Aires leben oder zu Besuch sind, zum Beispiel bei Fragen zur Gesundheitsversorgung.

Argentinien hat 23 Provinzen und die Autonome Stadt Buenos Aires (CABA). Zusammen sind das 24 Verwaltungsgebiete. CABA ist aber selbst die Hauptstadt, deshalb hat sie dort kein eigenes Haus. Man würde also 23 Provinzhäuser erwarten. In der Praxis schwankt die Zahl je nach Quelle und Zeitpunkt zwischen 20 und 24, weil nicht alle Provinzen ihr Haus immer aktiv betreiben. Jedes Jahr gibt es die “Noche de las Casas de Provincia” (Nacht der Provinzhäuser). An diesem Abend öffnen alle Häuser gleichzeitig ihre Türen für die Öffentlichkeit und zeigen Kultur, Essen und Produkte aus jeder Region.

Ich habe überlegt, ob diese Idee auch in Deutschland funktionieren könnte, zum Beispiel ein “Haus Stuttgart” in Berlin. Ganz neu wäre das Konzept nicht. Jedes der 16 Bundesländer hat schon eine Landesvertretung in Berlin. Sie vertritt die Interessen des Landes gegenüber dem Bund und zeigt auch Kultur und Wirtschaft des Landes. Baden-Württemberg, mit der Hauptstadt Stuttgart, hat seine Vertretung ganz in der Nähe vom Tiergarten. Was diesen deutschen Vertretungen aber fehlt, im Vergleich zur Casa de Catamarca, ist der direkte Verkauf von Produkten kleiner regionaler Produzenten an die Öffentlichkeit. Genau das wäre noch ein interessanter Unterschied.

In Brasilien gibt es etwas Ähnliches, aber mit weniger Aufgaben. Fast jeder brasilianische Bundesstaat hat ein “Escritório de Representação” (Vertretungsbüro) in Brasília. Es gehört meistens zur Casa Civil und kümmert sich um den Bundeshaushalt, den Kontakt zu Ministerien, zum Kongress und zu Botschaften. Es unterstützt auch den Gouverneur bei Besuchen in der Hauptstadt. Pernambuco hat auch so ein Büro, unter der Casa Civil des Bundesstaates. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Casa de Catamarca oder den deutschen Landesvertretungen: ein Vorposten der Landesregierung in der Hauptstadt. Der Unterschied ist aber groß. Die brasilianischen Büros arbeiten meistens im Hintergrund, mit Politik und Recht. Es gibt kein öffentliches Schaufenster wie in Catamarca. Es gibt keinen Laden mit regionalen Produkten, keine Hilfe für Menschen aus dem Nordosten, die in Brasília leben, und kein offenes Kulturprogramm. Ein “Haus Pernambuco” nach argentinischem Vorbild, mit Kunsthandwerk aus Alto do Moura, Keramik, Spitzenstickerei, Cachaça und Live-Frevo, für alle Besucher und Bewohner von Brasília, gibt es hier noch nicht.

❗❗❗Raphanomundo ist auf Einladung der OMPT in Argentinien, um am größten Fampress des Reisejournalismus teilzunehmen.

Rapha Aretakis

Viajante e criadora de conteúdo em tempo integral. Escrevo, edito e fotografo o Raphanomundo desde 2010, com trabalhos para marcas e veículos de turismo. Nascida no Recife, criada para o mundo, hoje brasileira alemã.

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