Ein Zug, der nur mit Sonnenenergie fährt, ohne Verbrennungsmotor und ohne Lärm, mitten durch die Quebrada de Humahuaca. Das klingt wie aus einem Zukunftsfilm. Aber genau so habe ich einen ganzen Morgen in Jujuy verbracht, und das war einer der Momente, auf die ich mich auf der ganzen Reise am meisten gefreut habe.
Der Tag hat in Tilcara begonnen, im gemütlichen Patio Alto, einem rustikalen Hotel, in dem dich der Besitzer selbst empfängt. Der Morgen war kalt. Die Sonne hat an einem blauen Himmel geschienen, aber sie hat nicht gewärmt. Unser Startpunkt war der Bahnhof Purmamarca. Dort sind wir in den Tren Solar de la Quebrada eingestiegen.
Der Zug hat ein Glasdach und drehbare Sitze. Er bietet einen freien Panoramablick auf die Strecke. Er wurde in China von der Firma CRRC gebaut und gilt als der erste Zug mit Lithium-Batterien in Lateinamerika.
Für alle, die sie nicht kennen, erkläre ich, was die Quebrada de Humahuaca ist
Die Quebrada de Humahuaca ist ein Bergtal in der Provinz Jujuy, ganz im Nordwesten Argentiniens. Es ist etwa 155 km lang und liegt am Fluss Río Grande, auf einer Höhe von ungefähr 2.000 bis 3.500 Metern. Die Berge in Rot, Ocker, Grün und Violett sind das Postkartenmotiv der Region. Besonders bekannt sind der Cerro de los Siete Colores in Purmamarca und die Paleta del Pintor (die Farbpalette des Malers) in Maimará. Das Tal ist nicht nur schön. Seit Tausenden von Jahren ist es ein Weg für Menschen und Waren, und es war ein Teil des Inka-Wegs (Qhapaq Ñan). Deshalb ist die Andenkultur in den Dörfern noch lebendig, zum Beispiel in Tilcara und Humahuaca, auf den Kunsthandwerksmärkten, in der Musik, bei den Festen und in der lokalen Küche. Im Jahr 2003 hat die UNESCO die Quebrada als Welterbe anerkannt, in der Kategorie Kulturlandschaft.
Von Purmamarca nach Maimará
Das Einsteigen war schnell und gut organisiert. Der Zug fährt ganz sanft und pünktlich um 10 Uhr morgens ab. Die Lithium-Batterien sind in nur 25 Minuten zu 100 % geladen. Damit kann der Zug etwa 120 Kilometer weit fahren, mehr als das Doppelte der Strecke. Die Schnellladestationen sind in Volcán und in Purmamarca. Die Energie kommt aus dem Solarpark Caucharí in Susques, auf über 4.200 Metern Höhe. Im Zug kann man das Handy laden, mit Ladegeräten, die an jedem Sitz sind. Ganz modern. Die Abfahrt aus Purmamarca ist schon ein Spektakel für sich. Der Zug fährt langsam genug, sodass du durch das Fenster sehen kannst, wie sich die Farben der Berge mit jedem Blickwinkel ändern. Die Strecke zwischen Purmamarca und Maimará ist etwa 42 Kilometer lang, und ohne auszusteigen dauert die ganze Fahrt ungefähr anderthalb Stunden. Bei mir war die Erfahrung kürzer. Sie war extra dafür gedacht, die beiden Bahnhöfe in der Tagesroute zu verbinden.
Wenn man in Maimará ankommt, ändert sich die Landschaft. Die Region ist heute ein Gebiet mit Weingütern in großer Höhe, und das nicht ohne Grund. Sie ist bekannt für das starke Wachstum des Weintourismus und ist von Weinbergen und bunten Hügeln umgeben.
Ein Zug, der auch ein Symbol ist
Der Ausflug ist mehr als nur ein Verkehrsmittel. Er zeigt dir einige der wichtigsten Orte der Quebrada de Humahuaca. Außerdem setzt er ein Zeichen in der Region, denn es ist der erste Bahnverkehr in Lateinamerika, der mit Sonnenenergie fährt. Was nach dem Aussteigen bleibt, ist nicht nur das Foto, auch wenn es wunderschön ist. Es ist das Gefühl, ein anderes Tourismusmodell in der Praxis getestet zu haben, nachhaltiger und sauberer. Mit dem Solarzug durch die Quebrada de Humahuaca zu fahren, ein Welterbe der UNESCO, heißt, aus der Nähe zu sehen, wie Tourismus, saubere Technologie und lokale Entwicklung buchstäblich auf denselben Gleisen fahren können.
Praktische Infos für die Fahrt mit dem Tren Solar de la Quebrada
✔ Wo er abfährt: Der Zug fährt am Bahnhof Volcán ab, und die Fahrgäste müssen selbst dorthin kommen. Volcán ist 41 km von San Salvador de Jujuy entfernt. Von Salta aus sind es etwa 165 km, ungefähr zwei Stunden mit dem Auto.
✔ Bahnhöfe: Der Zug hält in Volcán, Tumbaya, Purmamarca, Posta de Hornillos, Maimará und Tilcara.
✔ Zwei Angebote: Laut einem Reiseführer von Juni 2026 gibt es die Experiencia 360°, einen ganzen Tag von etwa zehn Stunden, mit Start und Ende in Volcán, mit Guide im Zug und freier Zeit in den Dörfern. Und es gibt die Experiencia 180°, die kürzer ist. Sie startet in Purmamarca und ist für alle gedacht, die weniger Zeit haben.
✔ Achtung beim Bahnhof Purmamarca: Er liegt weit vom Zentrum entfernt, etwa 3,8 km auf der Ruta 52. Bei der 360° ist der Transfer inklusive, bei der 180° nicht. Du musst also ein Remís (ein lokales Taxi) für Hin- und Rückfahrt organisieren.
✔ Was es kostet: Die Preise ändern sich je nach Saison und Art des Fahrgasts. Es gibt verschiedene Preise für Einwohner Argentiniens, Rentner und Kinder. Den aktuellen Preis für Ausländer findest du auf der offiziellen Webseite, trensolar.com.ar.
✔ Wo du kaufen kannst. Auf der offiziellen Webseite, an den Bahnhöfen oder über die sozialen Netzwerke des Zuges. In der Hochsaison solltest du früh reservieren, denn ein Kauf in letzter Minute an den Bahnhöfen hängt davon ab, ob noch Plätze frei sind.
✔ Im Zug. Es gibt einen Guide, der die Strecke erklärt und wichtige Infos zu jedem Ort gibt. Außerdem gibt es Ladegeräte für das Handy, auch kabellos.
✔ Was du mitnehmen solltest. Die Temperatur in der Quebrada ändert sich zwischen Tag und Nacht stark, vor allem im Winter. Nimm also eine warme Jacke, Sonnenschutz, Wasser und bequeme Schuhe mit. Denk auch an die Höhe, denn Tilcara liegt auf 2.460 Metern.
❗❗❗Der Raphanomundo ist auf Einladung der OMPT nach Argentinien gereist, um an der größten Pressereise in der Geschichte des Reisejournalismus teilzunehmen.




